Only for Man – Victoria auf der Isle of Man – V

Sonntag, 28. August

Festival of Jurby ist heute angesagt. Wie immer sind wir wieder zu spät dran, obwohl am Abend zuvor die Parole ausgegeben wurde, dass wir spätestens um 8 Uhr losfahren müssen. Als wir in Jurby auf dem Veranstaltungsgelände ankommen, ist das Fahrerlager schon voll belegt. Mit Überredungskünsten und dem „good will“ des Einwinkers quetschen wir uns noch an das Ende der mittleren Fahrerlagerreihe, schieben vorsichtig zwei Motorräder zur Seite und bauen unseren Pavillion mit den Victoria-Fahnen dort auf. Damit haben wir uns, ohne es zu erahnen, einen der exponiertesten Plätze im Fahrerlager gesichert. Hier bekommen wir den ganzen Tag phonmäßig voll auf die Mütze, weil hier am Vorstart alle Motorräder in der Warmlaufphase „aufgepumpt“ werden.

Insgesamt werden drei Läufe von jeweils ca. 15 Minuten gefahren, aufgeteilt in Baujahre und Fahrzeugtypen. Wenn es auch nur ein Paradelauf sein soll, das Gas ist rechts: „Believe me, when the flag is down, it`s a race.“ Spätestens hier hört der Spaß auf und es gilt zu beweisen, dass Aero, Pionier und Bergmeister dem englischen Eisen gewachsen sind. Wir wollen zeigen wie zuverlässig und schnell unsere Nürnberger Moppeds sind. Also raus auf die Strecke und los.

Gefahren wird gegen den Uhrzeigersinn, immer links rum, englisch halt. Einige der Schikanen kann man ohne große Mühe durchfahren, auf den längeren Geraden wird der Motor ausgequetscht und in Drehzahlbereiche katapultiert, die ich zuhause noch garnicht praktiziert habe – geht aber.

In der Lokalzeitung wird am nächsten Tag von ca. 6000-8000 Besuchern berichtet, die die Strecke und das Fahrerlager umlagert haben. Wie jeden Tag bisher strahlende Sonne und beste Bedingungen. Tolle Atmosphäre, viel fachkundiges Publikum, nur unsere Nürnberger Marke ist außerhalb Deutschlands weitestgehend unbekannt.

Der mit Victoria-Fahnen geschmückte Pavillon, um den herum unsere Motorräder aufgereiht sind, wird ständig von Besuchern umlagert, Entsprechend eifrig leisten wir Basisarbeit in Sachen Victoria-Missionierung. Plötzlich steht ein Fernsehteam an unserem Stand, das Ausschau nach interessanten Motorrädern hält und gerne ein Interview mit uns machen möchte. Sozusagen „im Zeitraffer“ werden die umstehenden Zaungäste und der Fernsehzuschauer von Jörn über die Marke Victoria und unsere Moppeds aufgeklärt.

Ein großer Spaß für uns und der Zufall will es, das wir die TV-Aufzeichnung abends im Pub anschauen können. Was hier um uns herum passiert ist der Wahnsinn und man wünscht sich, dass der Tag auf mindestens 36 Stunden verlängert wird, damit man alles „aufsaugen“ kann und trotzdem noch Zeit zum Schlafen hat.

Helmut Dähne mit seiner BMW steht bereit zur Einfahrt auf den Kurs und sofort wird er von einem Pulk Menschen umlagert und fotografiert. Freddy Spencer, mehrfacher WM-Champion läuft mir über den Weg und ich muss zweimal hinschauen damit ich es glauben kann. Nach der 10ten Vincent schaut man nicht mehr hin, die vielen Königswellen-Nortons, die hier rumballern machen mich etwas konfus – wo bin ich hier gelandet. Die Zeit vergeht wie im Flug, gerade, dass ich es schaffe mir zwischendurch eine Portion Fish und Chips zu holen. Aber wer braucht hier schon was zu essen bei dem Angebot an Zweirädern.

Vollgepackt mit Erlebnissen machen wir uns gegen Abend auf den Rückweg zur Farm, diese geballte Ladung an Eindrücken, nach diesem hundertprozentigen Tag an dem alles gepasst hat, muss erstmal gedanklich aufgearbeitet werden.

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