Only for Man – Victoria auf der Isle of Man – III

Freitag, 26. August – Douglas

Um 0.30 h verlassen wir das Hotel und sagen dem Mann an der Rezeption, dass wir entweder in zwei Stunden wieder zurück sind oder garnicht mehr auftauchen. Mit gemischten Gefühlen fahren wir die fünf Kilometer zum Fährterminal in Heysham. Der Terminalparkplatz hat sich schon gefüllt. Mit Jörn gehe ich an den Buchungsschalter und wir beide nehmen eine Art Blockadestellung vor dem Schalter ein, damit wir garantiert die Ersten sind, wenn die Klappe hochgeht, um die Standby-Plätze für uns anzumelden.

Das Standby-System funktioniert folgermaßen: wenn alle gebuchten Autos, Motorräder, LKWs auf der Fähre untergebracht sind wird verkündet ob und für wieviel Fahrzeuge noch Platz ist – wer dann als erster an der Reihe ist, hat gewonnen. Es gibt noch einen Plan D, den wir nicht weiter ausspinnen wollen. Was ist, wenn nur einer, zwei oder drei Busse mitkönnen und einer, zwei oder drei Busse stehen bleiben? Wer fährt in dem Fall mit und wer bleibt hier? Bull-shit, dieses Gedankenspiel bleibt erstmal in der hintersten Gehirnschublade.

Um kurz vor zwei Uhr kommen Jörn und Kai mit einem Grinsen um die Mundwinkel vom Terminalschalter: alles paletti – alle vier Busse können mit! Hurra und Hallo! Das ist die geilste Nachricht überhaupt – und der Mann an der Hotelrezeption sieht uns nicht mehr wieder.

Nachdem wir alle an Bord sind, geht es sofort an die Bar, das muss gefeiert werden!

Nach der dritten oder vierten Lage Pints habe sich die Gemüter langsam beruhigt und erste Ermüdungserscheinungen lassen die Köpfe nach vorne sinken, ein Stündchen Schlaf nach der Aufregung tut gut. Alle schlafen auf ihren Plätzen ein wo sie gerade sitzen.

Irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr morgens ist „die“ Insel in Sicht. Wir gehen an Deck und es muss das gleiche Gefühl sein, das Robert Louis Stevenson in seinem Schatzinsel-Roman beschreibt, das die Männer der Hispaniola erleben als die Schatzinsel am Horizont auftaucht. Auf der Schatzinsel, die wir ansteuern gibt es allerdings exklusive Zweirad-Schätze und phantastische Renngeschichten zu entdecken aber keine Gold- und Silbermünzen.

Die Insel empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein an diesem herrlichen frühen Freitagmorgen und verlässt uns nicht mehr bis auf den letzten Tag – wenn das keine Wiedergutmachung ist.

Auf der Farm angekommen bekommen wir von unserer Gastgeberin Fiona ein wunderbares Breakfast serviert – jetzt kann der Tag beginnen. Schlafutensilien auf die Zimmer, Moppeds ausladen und nix wie los. Bis 11 Uhr können wir in Kirk Michael noch unseren „sign in“ für die Rally erledigen. Spätestens jetzt steigt der Adrenalin-Spiegel und der ausgefallene Schlaf ist vergessen.

Nach gerade mal 10 Kilometern haben wir es geschafft uns das erste mal auseinander zu dividieren. Bei einer Abfahrt muss wohl einer gepennt haben, das wird sich wohl die nächsten Tage noch einspielen.

Als wir das Gelände gefunden haben, hat sich die Zweiradansammlung der VMCC-Teilnehmer schon langsam aufgelöst, wir sind eben spät dran. Aber dem Glücklichen schlägt keine Stunde, das haben wir heute Nacht ja schon einmal erlebt. Welche Freude, als wir von den Organisatoren unser „Welcome Package“ bekommen: Startnummer, Programmheft vom Manx Grand Prix, Cabel-Repair-Set usw. usw – kurz eine ganze Tüte voller Material. Nachdem dieser offizielle Teil erledigt ist kommt das Wichtigste, auf das wir schon lange hinfiebern: die erste Runde auf dem 60 km-Mountain-Circuit.

Der Linksverkehr ist kein Thema mehr, alle haben sich schnell damit zurecht gefunden und wir fahren an den magischen Streckenabschnitten vorbei, die ich in Gedanken immer mal durchgehe: Sulby Straight, Ginger Hall, Parliament Square, Gooseneck, Guthries Memorial, Bungalow, Kates Cottage, Grey-ny-Baa, Signpost Corner – jeder Quadratzentimenter des Kurses, der in dieser Form seit 1911 als Rennstrecke befahren wird, hat Geschichte geschrieben. Spätestens jetzt müsste man mir das Grinsen aus dem Gesicht rausoperieren, auf dieses Erlebnis habe ich seit über einem Jahr gewartet, was für ein Spaß!

Bei einer Runde ist es dann nicht geblieben und so laufen wir alle irgendwann auf unserer Farm ein und machen das, was sich die nächsten Abende wiederholen wird. Acht Mann machen es sich in einem der Busse hinten so bequem wie möglich, zwei dürfen vorne auf richtigen Sitzen Platz nehmen und ab geht es in den Pub, den wir für den Abend ausgeguckt haben. Wir probieren verschiedene Lokalitäten aus, aber unser Abschluss-Pint trinken wir meistens im „Creek Inn“ in Peel. Großer Außenbereich, immer interessante Moppeds anzuschauen, direkt am Hafen, was will man mehr. Das Essenangebot ist gut und wiederspricht dem Vorurteil, dass es in England nichts Anständiges zu essen gibt.

Wir sind ja auch nicht in England sondern auf der Isle of Man. Die Insel ist als autonomer Kronbesitz direkt der britischen Krone unterstellt, jedoch weder Teil des Vereinigten Königreichs noch Britisches Überseegebiet. Des Weiteren stellt sie ein gesondertes Rechtssubjekt dar und ist kein Mitglied der Europäischen Union, wird also trotz Brexit keinerlei Änderungen am Status innerhalb der EU erleben. Hier gibt es eigenes Geld, das Isle of Man Pfund, das in Great Britain nicht als Zahlungsmittel anerkannt wird, wogegen auf der IOM das Britische Pfund akzeptiert wird.

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